Zum Norden werden die vier Regionen Analanjirofo, Diana, Sava sowie Sofia gezählt. Er kann als eigentliches „ökologisches Resümee” Madagaskars betrachtet werden. Man findet dort alle klimatischen und geographischen Besonderheiten der Insel – ausser der dornigen Trockensavanne des Südens.

Der Südost-Ostwind (varatraza) bringt eine hohe Feuchtigkeit mit fast täglichem Regen, die hohen Durchschnittstemperaturen (um 25°C) variieren das Jahr über mit ±5° Celsius nur gering. Die Durchschnittstemperatur der Stadt Antsiranana (Diégo-Suarez) liegt bei 27° C. Die Stadt liegt, wie die Ostküste, im Einflussbereich des varatraza, der zwischen April und November weht. Der Westen hingegen liegt durch das Tsaratanana-Massiv im Windschatten. Dieser gelegentlich sogar schneebedeckte Gebirgszug ist einer der grössten in Madagaskar und besitzt mit dem Maromokotro (2’876 m) den höchsten Berg der Insel.

Vor der Westküste liegen eine Reihe von Inseln, unter anderem auch die bei Touristen sehr beliebte und grösste Insel Madagaskars, Nosy Be. Der äusserst fruchtbare Boden im Dreieck des Sambriano Flusses, Nosy Be und Ambilobe besteht im Delta aus Schwemmland und ist ansonsten vulkanischen Ursprungs. Hier werden insbesondere Parfumpflanzen sowie Kakao angebaut. Obwohl die Kakaoproduktion von Madagaskar im Vergleich zu anderen Ländern wie Ghana oder Côte d’Ivoire gering ist, wird die ausgezeichnete Qualität des Kakaos von den Schokoladeherstellern sehr geschätzt.

Der Nordosten

Im Osten hingegen herrscht feuchtwarmes Tropenklima. Die auch als Vanilleküste bezeichnete Ostküste der Region Sava ist ein eigentlicher Garten Eden. Hier wächst nicht nur mit der Vanille das bekannteste und begehrteste Exportgut Madagaskars, sondern auch Gewürznelken, Kokospalmen und alle Arten von tropischen Früchten wie etwa Litschis. Aber auch der traditionelle Reis gedeiht hier prächtig.

Die Südspitze der Region Sava bildet die Masoala Halbinsel. Die dort befindlichen Regenwälder sind die grössten noch erhaltenen tropischen Waldgebiete Madagaskars. Sie sind UNESCO Weltkulturerbe und sollten damit vor Raubbau geschützt sein. Doch leider kommt es immer wieder zu illegalen Plünderungen, oft unter Mithilfe der lokalen Politiker, die damit viel Geld verdienen. Besonders beliebt ist das wertvolle Rosenholz sowie Palisander. Rund 100 km südlich von Masoala liegt die schmale und langgestreckte Insel St. Marie vor der Küste. Sie ist insbesondere als Rückzugsort für Piraten bekannt geworden. Heute ist sie ein beliebtes Touristenziel.

Die Nordostküste wird während der Regenzeit (November – März) häufig von Zyklonen heimgesucht. Diese tropischen Wirbelstürme können mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 km/h massive Zerstörungen anrichten und fordern regelmässig auch zahlreiche Menschenleben. In der Regenzeit kommt es auch regelmässig vor, dass die RN6/RN4 als einzige durchgehende Strassenverbindung des Nordens mit dem Rest des Landes zum Teil während Monaten unterbrochen wird. Aber auch die Verbindung zwischen der West- und der Ostküste ist grösstenteils in einem schlechten Zustand und immer wieder von Unterbrüchen betroffen.

Antsiranana (Diégo-Suarez): Die Kapitale des Nordens

Antsiranana ist mit seinen rund 130’000 Einwohnern die grösste Stadt des Nordens. Bis zu ihrer Umbenennung im Zuge der Madagssisierung im Jahre 1976 hiess sie Diégo-Suarez. Dieser Name geht auf die beiden portugiesischen Seefahrer Diego Diaz, der am 10. August 1500 als erster Europäer überhaupt auf Madagaskar landete, und Herman Suarez zurück, der ihm sechs Jahre später nachfolgte. Bereits ein halbes Jahrtausend früher hatten bereits arabische Schiffe den gut geschützten Naturhafen genutzt.

Im 17. Jahrhundert wurde der Hafen von den Piraten in Besitz genommen und war neben Ste. Marie ihre wichtigste Basis auf Madagaskar. 1838 besetzten die Franzosen die Bucht und errichteten dort fünfzig Jahre später eine Militärbasis. Während des Zweiten Weltkriegs nutzen die Japaner den Hafen als Durchgangsstation für ihre Kriegsschiffe und U-Boote, bis er 1942 von den Briten erobert wurde. Nach dem Krieg wurde der Stützpunkt wieder an die Franzosen übergeben, die dort Einheiten der Fremdenlegion stationierten, die dann bis 1975 blieben.

Nach dem Abzug der Franzosen ging es mit dem Hafen und der Stadt wirtschaftlich abwärts. Obwohl die Bucht von Antsiranana einer der grössten Tiefwasserhäfen des Indischen Ozeans ist, wird sein wirtschaftliches Potential nur zum Teil genutzt. Das grösste Entwicklungshemmnis ist die mangelhafte Transportinfrastruktur. Die Architektur von Antsiranana zeugt auch heute noch von der kolonialen Vergangenheit. Die verschiedenen Volksgruppen der Komorer, Chinesen, Inder, Pakistani sowie Jemeniten oder Somalier geben der Stadt ein internationales Flair. In der Umgebung finden sich viele schöne Strände. Zur Kolonialzeit war das damalige Diégo und seine Umgebung ein beliebtes Ferienziel. Nach dem Abzug der Franzosen hat die Gegend jedoch ihre touristische Bedeutung eingebüsst und die häufigen Zyklone haben der Infrastruktur arg zugesetzt. Der Norden stellt mit rund 5 Millionen Einwohnern und 20% der Landfläche nur etwa einen Sechstel der Gesamtbevölkerung Madagaskars, trägt aber insbesondere mit seinen Landwirtschaftsprodukten wie Vanille, Gewürznelken und Früchten wesentlich zu den Exporten des Landes bei. Vanille und Gewürznelken machen zusammen über 15% der Gesamtexporte aus und werden nur gerade von den Nickelexporten als wichtigstes Einzelprodukt übertroffen.

Der Podcast über den Norden Madagaskars:

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