Das Zentrum Madagaskars umfasst die sieben Regionen Analamanga, Amoron’i Mania, Betsiboka, Bongolava, Itasy, Matsiatra Amony und Vakinankaratra. Diese machen knapp einen Viertel der Landfläche Madagaskars aus und in ihnen leben mehr als ein Drittel der Bevölkerung. Dieser Landesteil gilt als der Gemüsegarten Madagaskars. Die Landschaft ist zudem durch die zahlreichen Reisterrassen geprägt.

In den beiden grössten Städten dieses Landesteiles, Antananarivo und Antsirabe, leben fast 40% aller Bewohner. Das zwischen 1’000 und 1’500 müM gelegene Hochland wird von leicht gewellten Hügeln und breiten Tälern durchzogen. Im Osten fällt es grösstenteils steil zur Küstenregion ab, währendem im Westen und im Norden die Hügel langsam zu Steppen und fruchtbaren Talebenen auslaufen.

Die Temperatur nimmt von Osten nach Westen zu. Das Jahr ist klar unterteilt in eine heisse Regenzeit von November bis April und eine kalte Trockenzeit zwischen Mai und Oktober. Der kälteste Monat ist der Juli. Über das ganze Jahr gesehen sind die Niederschläge reichlich und lassen daher einen ausgedehnten Reisanbau zu. Das Hochland wird in der Regel von den verheerenden Auswirkungen der zwischen Dezember und März auftretenden Zyklone verschont.

Reis ist das Hauptprodukt im zentralen Hochland, und so gut wie alle Landwirtschaftsfläche ist damit bedeckt. Im trockeneren Westen werden auch Maniok, Mais und Erdnüsse angebaut. In der kühleren Umgebung von Antsirabe gedeihen Kartoffeln, Weizen und Obst. Die Hochlandbauern leiden in vielen Regionen unter Landknappheit und dem weitverbreiteten Pächtertum (40%). Zudem wird die Landwirtschaft durch die Zerstückelung des Ackerlandes in kleinflächige Parzellen behindert. Es ist nicht selten, dass die Reisfelder einer Familie – infolge der Aufteilung unter den Erbberechtigten – auf bis zu 15 kleine Parzellen verteilt sind.

Reis ist nach wie vor das Hauptprodukt im zentralen Hochland und praktisch die gesamte landwirtschaftlich nutzbare Fläche wird dafür eingesetzt. In der Nähe der städtischen Zentren ist die Produktivität des Reisanbaus zwar höher als im Landesdurchschnitt, doch binden die veralteten Methoden nach wie vor überproportional viele Arbeitskräfte. Durch die starke Zunahme der Bevölkerung wurden grosse Teile der ursprünglichen Wälder abgeholzt, um die Bedürfnisse der Städte an Holz und Kohle zu befriedigen.

Die Hauptstadt Antananarivo

Der Grossraum um die Hauptstadt Antananarivo ist mit rund 4.2 Millionen Einwohnern das mit Abstand grösste urbane Siedlungsgebiet des Landes. Antananarivo ist das geographische und politische Zentrum Madagaskars. Gleichzeitig ist die Stadt auch der Mittelpunkt des Netzes von Nationalstrassen, das die verschiedenen Landesteile miteinander verbindet. Die Stadt liegt in einer weitläufigen Ebene, die von Hügeln begrenzt wird. Die Altstadt ist auf mehrere dieser Hügel verteilt und auf dem höchsten Hügel thront der ehemalige Königspalast.

Bereits 1630 fungierte Antananarivo als Herrschersitz, wurde aber erst 1796 zur Residenzstadt der Merina-Könige. Durch die Höhenlage (1’250-1’450 müM) herrscht ein mildes Klima mit Temperaturen, die selten über 30°C steigen. Im Winter kann es hingegen empfindlich kühl werden. In der Ebene ist die Stadt immer wieder mit Reisfeldern durchzogen. Diese werden allerdings immer mehr überbaut.

Seit der Unabhängigkeit ist die Einwohnerzahl Antananarivos stark gewachsen und viele vormals unabhängige Dörfer in der Agglomeration sind in der Zwischenzeit Teil eines urbanen Grossraums geworden. 1960 zählte man in Antananarivo noch rund 252’000 Einwohner. 1992 wurde dann die Grenze von einer Million überschritten. 2010 waren es dann bereits über 2 Millionen Einwohner und nur 8 Jahre später wurde die dritte Million überschritten. 2025 zählte man 4.2 Millionen Einwohner. Die jährliche Zunahme der Einwohnerzahl hat 2018 mit 5.3% ihren Höhepunkt erreicht und ist seither auf noch immer hohe 4.45% abgesunken. Die städtische Infrastruktur hat mit diesem rasanten Wachstum nicht mithalten können. Die Covid-Pandemie hat die städtische Bevölkerung besonders hart getroffen und die urbane Armut ist in der Folge stark angestiegen.

Antsirabe und Fianarantsoa

Fährt man von Antananarivo auf der RN7 nach Süden, so kommt man nach etwa 170 km nach Antsirabe, einer der bedeutendsten Industriestädte Madagaskars und mit rund 270’000 Einwohnern die zweitgrösste Stadt des zentralen Hochlands. Im Einzugsgebiet der Stadt leben weit über eine Million Menschen. Die STAR Brauerei hat hier ihren Sitz und die Stadt ist in den letzten dreissig Jahren zu einem Zentrum der Milchverarbeitung geworden.

Antsirabe liegt auf etwa 1’500 müM und hat ein angenehmes Klima, das im Winter auch frostig werden kann. Im 19. Jahrhundert war die Stadt für ihre Thermal- und Mineralwasserquellen bekannt und beliebt. Das mittlerweile etwas heruntergekommene Hôtel des Thermes zeugt noch von dieser glanzvollen Epoche. In den 1950er Jahren war das Hotel die Exilresidenz des marokkanischen Königs Mohammed V. Während der Kolonialzeit galt Antsirabe als das Vichy von Madagaskar. Berühmt ist die Stadt auch für ihre Edelsteine. In der Umgebung finden sich eine Vielzahl von verschiedenen Edelsteinen, insbesondere die Turmaline haben die Gegend weltberühmt gemacht.

Die RN7 führt weiter nach Süden durch die Kleinstadt Ambositra, die insbesondere für die Holzschnittkunst der Zafimaniry bekannt ist, weiter nach Fianarantsoa. Diese 1830 als Merina-Garnisonsstadt gegründete Metropole, in der heute knapp 200’000 Menschen leben, liegt rund 400 km südlich der Hauptstadt. Wie auch Antananarivo ist die Stadt in eine malerisch gelegene Haute-ville und eine Basse-ville unterteilt. Dazwischen hat sich die Novelle-ville entwickelt. Heute ist Fianarantsoa eine Verwaltungs- und Universitätsstadt. Vom Bahnhof aus kann man mit der bei Touristen beliebten Zuglinie FCE (Fianarantsoa-Côte-Est) bis nach Manakara an die Ostküste Madagaskars fahren. Allerdings sind die Geleise mittlerweile einhundert Jahre alt und in einem lamentablen Zustand. Eine Reihe von Unfällen hat den Betrieb massiv beeinträchtigt. In der Umgebung von Fianarantsoa findet man ausgedehnte Teeplantagen. Der grösste Teil der Ernte geht in den Export. Südlich der Stadt befinden sich verschiedene Weingüter, die Weine für den lokalen Markt produzieren.

Der Podcast über das zentrale Hochland Madagaskars:

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