Zum Westen gehören die drei Regionen Boeny, Melaky und Menabe. Bedingt durch die Isolierung von den angrenzenden Gebieten und gelähmt durch die Unsicherheit gilt der Menabe als fast autonome Region.

Belo-sur-Tsiribihina sollte eigentlich ein Verbindungsglied sein zwischen dem Menabe und dem nördlich davon gelegenen Mahajanga sein, doch ist eine Fahrt von Belo-sur-Tsiribihina nach Norden beschwerlich, abenteuerlich – und sehr oft gar nicht möglich. Die Westküste wird auch immer wieder von Zyklonen heimgesucht.
Der letzte heftige Zyklon, der Madagaskar traf und den Namen Freddy erhielt, entwickelte sich im Februar 2023 aus einem Tiefdruckgebiet im indonesischen Archipel. Er traf bei Mananjary auf die Ostküste Madagaskars und richtete mit Windgeschwindigkeiten bis zu 230 km/h und Böen bis 260 km/h grosse Schäden an. Er überquerte Madagaskar und den Kanal von Mosambik, bevor er auf Kontinentalafrika traf. Wie erwartet verlor er auf dieser Reise an Intensität. Ungewöhnlich war aber, dass er bei der Überquerung des Kanals von Mosambik erneut an Intensität zunahm und wieder nach Madagaskar zurückkehrte. Dabei richtete er an der Westküste grossen Schaden an. Mit einer Dauer von fünf Wochen und drei Tagen war Freddy der bislang am längsten bestehende Tropensturm seit Beginn der Messungen.
Der südliche Menabe ist dünn besiedelt, die Dichte nimmt erst wieder im Tal des Flusses Mangoky zu. Die Region um den kleinen Ort Manja hat – insbesondere während der Regenzeit – enorme Verkehrsprobleme. So werden die Landwirtschaftsprodukte über den kleinen Boutry-Hafen von Andranopasy ausgeschifft.
Morondava
Die Hafenstadt Morondava ist mit ihren rund 60’000 Einwohnern die grösste Stadt der Region Menabe. Sie war früher ein bedeutendes Zentrum der Sakalava und ein Handelsplatz zwischen Madagaskar und den europäischen Seefahrern. Mit ihrem drittgrössten Hafen an der Westküste hatte die Stadt eine gewisse Wichtigkeit. Zwischenzeitlich ist der Hafen aber teilweise versandet und die verschiedenen Zyklone haben der Stadt schwer zugesetzt.
Touristisch bekannt ist Morondava aber insbesondere durch die wenige Kilometer nördlich gelegene Allée der Baobabs. Mehr als ein Dutzend mächtige Baobabs stehen entlang einer Piste und geben das wohl am meisten fotografierte Motiv Madagaskars ab. Früher waren diese Bäume Teil eines riesigen Trockenwaldes, der aber in der Zwischenzeit fast vollständig verschwunden ist. Etwa in der Mitte zwischen Morondava und Maintirano, der Hauptstadt der Region Melaky, liegt der Nationalpark Tsingy de Bemaraha. Durch das Wasser und die Erosion wurden unzählige, zum Teil bis 30m hohe Felsnadeln aus dem Küstenmassiv ausgewaschen. Die Tsingy gehören zu einem der sehenswertesten Naturwunder der Erde. Daher erstaunt es nicht, dass sie 1990 in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes aufgenommen wurden.

Boeny und Mahajanga
Weiter nördlich der Westküste entlang am Fusse des Hochplateaus liegt die Region Boeny. Sie wird von zahlreichen Flüssen durchzogen, etliche davon entspringen im Hochland und schieben Ablagerungsgestein in die oft beträchtlichen Deltas, die sehr fruchtbar und in den Randzonen zum Meer hin von Mangrovenwäldern bedeckt sind. Die Regenzeit von Dezember bis April bringt 1 bis 1,5 Meter Regen, was durch Zyklone wesentlich erhöht werden kann. Die Temperatur liegt im Durchschnitt bei 25° Celsius mit Schwankungen von 10°.
Die Region umfasst ganz unterschiedliche Landschaftsarten: Savannen und Gebirgsregionen, Mangroven und Trockenwälder. Und natürlich die Reisebenen, die vor allem von den Einwanderern aus dem Hochland unterhalten werden. Grösste Stadt ist die vom Sakalava-König Amdrianandisoaridy gegründete Hafenstadt Mahajanga, die heute rund 260’000 Einwohner zählt. Das Wahrzeichen der Stadt ist ein uralter, mächtiger Baobab.
Mahajanga war seit jeher ein wichtiger Handelsplatz und im 18. Jahrhundert gar die Hauptstadt des Sakalava Königreiches Boina. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde sie dann von Imerina erobert. Die Franzosen griffen die Stadt 1883 an und zerstörten sie. Sie errichteten dort einen Militärstützpunkt, der später bei der Eroberung von ganz Madagaskar eine wichtige Rolle spielte. Der Hafen lockte schon bald Einwanderer aus Indien, aus Arabien und später auch aus China an. Während der Kolonialzeit kamen dann Europäer dazu sowie Komorer, die bis Mitte der 1970er Jahre dann sogar die Bevölkerungsmehrheit bildeten. 1976 kam es zu Pogromen, bei denen etwa 2’000 Komorer unter den Augen der untätigen Sicherheitskräfte ums Leben kamen. Viele Komorer verliessen daraufhin die Stadt.
Mahajanga ist heute der zweitwichtigste Hafen von Madagaskar. Er ist ideal gelegen für den Handel mit Ostafrika, den Komoren sowie Europa. Es werden etwa 460’000 Tonnen Güter pro Jahr umgeschlagen. Allerdings leidet der Hafen unter Versandung. Die Ablagerungen in der Bucht von Bambetoka durch den Fluss Betsiboka haben in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen, ohne dass der Staat Massnahmen dagegen ergriffen hätte. Diese Entwicklung hat die Kapazität des Hafens deutlich beeinträchtigt.
Mahajanga hat in der Vergangenheit auch eine bedeutende Textil- und Tabakindustrie gehabt. In der Zwischenzeit sind viele der Unternehmen jedoch geschlossen worden oder befinden sich im Niedergang. Nach wie vor von Bedeutung sind der Fischfang und insbesondere die Produktion von Crevetten. Ein grosses Problem für die Stadt ist die unzuverlässige Stromversorgung durch das nationale Energieunternehmen Jirama. Obwohl die ständigen Winde im Kanal von Mosambik sowie die hohe Anzahl an Sonnentagen die Installation von Wind- und Solaranlagen begünstigen würde, fehlt es an den entsprechenden Investitionen.

Im Westen der Region Boeny liegt der Nationalpark Baie de Baly, in dem der sehr seltene Madagaskarseeadler sowie die von Aussterben bedrohten Schnabelschildkröten heimisch sind. Etwas im Landesinneren befindet sich der Nationalpark von Namoroka mit seinen einzigartigen Tsingy, in denen verschiedene Lemurenarten, Reptilien, Fossa und viele seltene Vögel zu sehen sind.
Der Podcast über den Westen Madagaskars:

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