Wirtschaft und Politik

Die Wirtschaft Madagaskars trägt typische Züge eines Entwicklungslandes. Laut dem Internationalen Währungsfonds betrug das Bruttoinlandsprodukt im Jahre 2024 unter Berücksichtigung der Kaufkraftparität 57 Milliarden US-Dollar, das entspricht 1.911 US-Dollar pro Einwohner.

Madagaskar zählt damit nach wie vor zu den ärmsten Ländern der Welt: Noch 2003 belief sich der Anteil der Bevölkerung mit weniger als 1 US-Dollar pro Tag auf 49 %. Aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums bei gleichzeitig schwachem Wirtschaftswachstum sank das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von der Unabhängigkeit 1960 bis zum Jahr 2014 um 42 %. Die geschätzte Armutsquote beträgt je nach Quelle zwischen 70% und 80%.

Nach wie vor ist die Landwirtschaft für einen grossen Teil des BIP verantwortlich. Allerdings ist Madagaskar sehr anfällig auf extreme Wetterereignisse (Zyklone, Dürren etc.), was sich aufgrund des Klimawandels in den letzten Jahren noch deutlich akzentuiert hat und das Leben der Bauern zusätzlich erschwert.

Die Hauptexportprodukte Madagaskars sind Kaffee, Fischereiprodukte, Gewürznelken, Litschi und Zucker sowie Bergbauprodukte, darunter vor allem Nickel, Ilmenitsande und Graphit. In geringeren Mengen werden auch Kakao und Zimt exportiert.

Importiert werden Nahrungsmittel, Investitionsgüter, Konsumgüter und Erdöl. 2015 wurden Waren für 2,3 Mrd. US-Dollar exportiert und 3,2 Mrd. US-Dollar importiert. Am 2. April 2025 wurden Exporte von Madagaskar in die USA durch einen Erlass des US-Präsidenten Donald Trump mit 47 % Strafzöllen belegt.

Politik

Das politische System Madagaskars ist laut Verfassung eine zentralistische, präsidentielle Republik mit direkt gewähltem Präsidenten und Zweikammersystem: Die Nationalversammlung hat 160 auf fünf Jahre gewählte Mitglieder. Die zweite Kammer, der Senat, vertritt die sechs Provinzen Antananarivo, Antsiranana, Fianarantsoa, Mahajanga, Toamasina und Toliara. Ein Drittel der 90 Senatsangehörigen wird vom Präsidenten ernannt, die übrigen gewählt.

Jede Provinz verfügt über ein Provinzparlament, deren Angehörige direkt vom jeweiligen Staatsvolk gewählt werden. Die Regierungschefs der einzelnen Provinzen werden vom Präsidenten ernannt. Im Zuge moderater Dezentralisierung wurde Madagaskar darüber hinaus in 22 Regionen eingeteilt. Auch ihnen stehen vom Präsidenten ernannte Chefs vor.

Das Politische System Madagaskars ist in den 1990er Jahren an verschiedenen Stellen reformiert worden. Im März 1998 stimmten die madagassischen Wähler einer erweiterten und erneuerten Form der Verfassung zu. 2006 galt auf Grundlage dieser Verfassung zusätzlich zu Obigem noch Folgendes: Der Präsident wird in allgemeinen, gleichen und freien Wahlen nach dem absoluten Mehrheitsprinzip für einen Zeitraum von fünf Jahren gewählt, er kann nur für zwei weitere Legislaturperioden bestätigt werden. Die Amtszeit der Senatoren beträgt sechs Jahre. Die täglichen Regierungsgeschäfte werden vom Premierminister und den von ihm ernannten Ministern ausgeübt, der Premierminister wird vom Präsidenten ernannt. Die Verfassungsmässigkeit der von beiden Kammern des Parlaments erlassenen Gesetze wird vom Nationalen Verfassungsgericht überprüft. Der Premierminister und die an der Regierung beteiligten und in beiden Kammern des Parlaments vertretenen Fraktionen entwickeln die Gesetzgebung, die dann von der Regierung ausgeführt wird. Der Staatspräsident kann die Nationalversammlung auflösen, für den Senat gilt dies jedoch nicht. Die Nationalversammlung kann ein Misstrauensvotum gegen den Premierminister und das Kabinett anstreben und zu deren Rücktritt führen.

Etwa ein Viertel der Bürger kann sein Wahlrecht nicht ausüben, da es nicht über einen Personalausweis verfügt. Kinderarbeit und Kinderprostitution stellen gravierende Probleme dar.

Die jüngere politische Geschichte Madagaskars zeichnet sich aus durch eine hohe Anfälligkeit für Staatskrisen (letztmals im Herbst 2025): Oft ausgelöst durch Druck von der Strasse, der durch Polizei und Militär massiv bekämpft wird – und in der Regel damit endet, dass das Militär vorübergehend die Macht im Staat übernimmt.

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