Zum Osten gehören die vier Regionen Alaotra-Mangoro, Atsinanana, Fitovinany und Vatovavy. Die fast schnurgerade und leicht nach Nordosten geneigte Küstenlinie dieses Teils von Madagaskar erstreckt sich über eine Länge von mehr als 900 km. Das Klima ist das ganze Jahr über heiss und feucht. Die Bewohner unterscheiden zwei Jahreszeiten: während der einen regnet es und in der zweiten regnet es mehr.

Die Ostküste

In Toamasina fällt während 248 Tagen Regen (3’420 mm) mit einer Spitze im März (513 mm) und einem Tiefpunkt im Oktober (89 mm). Die täglichen Niederschläge wirken sich auf den erodierten Feldern der Hügel verheerend aus: sie schwemmen den Humus weg und laugen den Boden aus. Die Küste unterliegt das ganze Jahr über den Einflüssen der Südostwinde und liegt im direkten Einfallsgebiet der Zyklone, die Unmengen von Regen bringen, so im Jahre 1949, als in Toamasina während 24 Stunden 441 mm fielen.

Die Wucht der Winde und ihre Regenfluten lassen die Reisfelder versanden, zerstören die Dämme und Bewässerungskanäle, ebenso wie Schulen, Strassen und Brücken. Heftige Zyklone wie Batsirai (2022) oder Freddy (2024) richten regelmässig grosse Schäden an und bleiben lange im Gedächtnis der Bewohner. Ein Zyklon im Jahre 1927 hat Toamasina vollständig zerstört. Ein weiterer heftiger Zyklon im Jahre 1968 hat dazu geführt, dass in der Stadt immer mehr Häuser aus Beton errichtet wurden, um den Naturgewalten so besser widerstehen zu können.

Der fruchtbare Küstenstreifen von 10 bis 20 Kilometern Breite ist nur mit flachen Hügeln von 50 m Höhe durchsetzt und weist eine hohe Bevölkerungsdichte und eine intensive landwirtschaftliche Aktivität auf. Ein grosses Problem sind die schlechten und teilweise nicht existenten Strassenverbindungen. Mit dem Auto von Tolagnaro nach Toamasina zu gelangen, ist zwar grundsätzlich möglich, wenn auch sehr beschwerlich.

Hingegen gibt es keine Strassenverbindung zwischen Toamasina und Antsiranana. Die einzige Möglichkeit ist, via Antananarivo auf der RN4/RN6 in den Norden zu fahren und dabei einen gewaltigen Umweg auf sich zu nehmen. Für die wichtige landwirtschaftliche Produktion dieser Gegend ist dies ein grosses Problem. Der an sich grosse Binnenmarkt der Insel bleibt damit für diesen Landesteil oftmals unzugänglich. Als Folge davon verrotten viele Produkte, bevor sie ihre Käufer erreichen oder werden gar nicht erst exportiert.

Toamasina (Tamatave): Der wichtigste Hafen des Landes

Die grösste Siedlung an der Ostküste ist mit über 380’000 Einwohnern Toamasina (oder Tamatave). Im Laufe ihrer Geschichte war die Stadt portugiesischen, arabischen, britischen, indischen, chinesischen und insbesondere französischen Einflüssen ausgesetzt. Die Inder stellen auch heute noch eine grosse Bevölkerungsgruppe.

Die Stadt beherbergt den grössten und wichtigsten Hafen von Madagaskar. Der grösste Teil der Güter, der nach Madagaskar kommt oder von dort exportiert wird, geht durch diese Stadt. Während der Kolonialzeit wurde die Verbindung Madagaskars mit Europa durch regelmässig verkehrende Dampfschiffe gewährleistet. Von Toamasina konnte man damals auch nach Mauritius oder Sri Lanka reisen. Heute gibt es abgesehen von den gelegentlich erscheinenden Kreuzfahrtschiffen keinen Personenverkehr mehr.

Ein anderes häufig genutztes und damit wichtiges Transportsystem sind die Kanäle der Pangalane, die vom Süden her parallel zur Küste verlaufen und in Toamasina enden. Mit Abstand am wichtigsten ist aber die Strassenverbindung via die RN2 mit Antananarivo. Diese schmale und schlecht unterhaltene Strasse führt durch das bergige Gelände bis ins Hochland. Unzählige Lastwagen verkehren auf ihr und es kommt immer wieder zu schweren Unfällen, die dann oftmals die Strasse für mehrere Stunden für den übrigen Verkehr blockieren.

Auf der Schiene gibt es keinen Personenverkehr mehr zwischen Toamasina und der Hauptstadt. Einzig Erdöl und andere Güter werden noch auf dieser einspurigen Strecke befördert, die wie alle anderen Infrastrukturen des Landes unter dem fehlenden Unterhalt leidet. Eine Autobahn zwischen Antananarivo und Toamasina ist zwar im Bau, doch dürfte es noch lange dauern (sofern sie denn überhaupt je fertiggestellt wird), bis darauf die ersten Fahrzeuge verkehren.

An der RN2 in Richtung Antananarivo befindet sich etwa 30 km östlich von Moramanga bei Andasibe ein bedeutendes Naturschutzgebiet, in dem viele endemische Arten leben. Für das kleine Städtchen Andasibe ist der Ökotourismus zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden, nachdem die einstmals bedeutende Graphitminie geschlossen wurde.

Die Fahrt von Toamasina nach Süden in Richtung Tolagnaro ist ein richtiggehendes Abenteuer. Die Strassen werden immer schlechter und die häufigen und intensiven Regenfälle machen sie oftmals gar unpassierbar. Auf der Strecke müssen zahlreiche Flussläufe überquert werden, in den meisten Fällen mit einer Fähre. Ein Teil des Weges kann alternativ auch auf den Kanälen der Pangalane zurückgelegt werden, doch ab Manakara sind diese weitgehend nicht mehr schiffbar.

Die Küstenstadt Manakara hat nach der Eröffnung der Eisenbahnverbindung mit Fianarantsoa im Jahre 1936 einen richtiggehenden Boom erlebt und wurde eine Zeitlang sogar nach Toamasina der wichtigste Exporthafen an der Ostküste. Diese glanzvollen Zeiten sind allerdings längst vorbei. Nach der Unabhängigkeit ging es mit der Stadt steil bergab.

Die Schienen der Zugverbindung in das Hochland wurden von den Franzosen nach dem Ersten Weltkrieg im besetzten deutschen Saarland demontiert und nach Madagaskar verschifft. Grosse Teile der Strecke wurden seither kaum unterhalten und sind in einem entsprechend lamentablen Zustand. In den letzten Jahren ist es auf der Strecke wiederholt zu schweren Unfällen gekommen, so dass der Bahnbetrieb stark eingeschränkt werden musste. Dennoch bleibt diese Verbindung sehr wichtig, da einige Dörfer entlang der Strecke nur auf diesem Weg mit der Aussenwelt verbunden sind.

Etwa 30 km südlich von Manakara liegt Vohipeno, das spirituelle Zentrum der Antaimoro. Im nahe gelegenen Dorf Ivato-Savana befinden sich die Königsgräber der Antaimoro. Etwa eine Autostunde südlich davon hat man in der Stadt Farafangana die letzte Gelegenheit, in das Hochland abzubiegen. Die RN27 ist zwar alles andere als in einem guten Zustand, doch mit einem Geländewagen ist die Strasse immerhin noch halbwegs passierbar.

Der Podcast zu Madagaskars Osten:

Wie wäre es 2025 mit einer Rundreise in Madagaskar, die sowohl die West- als auch die Ostküste miteinander vereint? Klicken Sie hier für weitere Details!

Wir sind Spezialisten für Madagaskar und stehen Ihnen jederzeit für Auskünfte, Reiseberatung und Beratungsgespräche zur Verfügung. Wir bieten Kompetenz und Qualität.